Evangelische Schlosskirche

Zur Baugeschichte der Meisenheimer Schlosskirche
 

Mit großer Wahrscheinlichkeit gab es auf dem Platz der heutigen Kirche - einem vom Glan umflossenen Plateau - bereits im 10. Jahrhundert eine Pfarrkirche, daneben eine Burg bzw. ein Schlossgebäude der Grafen zu Veldenz (1134-1444) und ihrer Nachfolger, der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken (1444-1797).


1479, nach Niederlegung der Vorgängerkirche: Baubeginn der jetzigen Kirche auf Geheiß Ludwigs des Schwarzen. Baumeister: Philipp von Gmünd, der auch das Rathaus erbaut hat.

Das Gotteshaus diente als:
a) Grablege und Gruftkapelle der
    Schlossherren
b) Ordenskirche der seit 1321 in Meisenheim 
    ansässigen Johanniter
c) Gemeindekirche

Die kurze Bauzeit (1479-1504) wirkt sich wohltuend auf die Einheitlichkeit des Stils aus.

Mit der Reformation (1523: 1. evang. Gottesdienst!) verschwinden nach und nach die dem kath. Kultus zugeordneten Einbauten: das Ostergrab (4 Steintafeln mit schlafenden Wächtern in der Kapelle des südl. Seitenschiffs erhalten), der Lettner (er trennte den den Johannitern vorbehaltenen Chor vom Hauptschiff) sowie einige Seitenaltäre.

1766-1770: Große Umgestaltung des Innenraums zu einer evangelischen Predigtkirche durch Landesbauing. Phil.-Heinr. Hellermann. Er fügt dem spätgotischen Stil barocke bzw. Rokokoelemente hinzu, von denen bis heute erhalten geblieben sind:
- die Kanzel
- die Stumm-Orgel
- die Orgelempore.

Kanzel
1962-1968: Gründliche äußere und innere Renovierung der Kirche. Die von Hellermann auch im Chor angebrachte Empore wird entfernt, die des Hauptschiffs um ein Joch verkürzt. Dies stellt den ursprünglichen Charakter der gotischen Hallenkirche wieder her.

Neugestaltung der 7 Chorfenster, deren stark abstrahierenden Darstellungen nicht  leicht zu deuten sind, jedoch dazu einladen. Auch verdunkeln sie den Chorraum - ein ihnen am häufigsten gemachter Vorwurf - und grenzen ihn spürbar vom Hauptschiff ab. Unterstreicht aber dies Dunkel nicht die besondere sakrale Bedeutung des Chors, z.B. beim Abendmahl?

Die Schlosskirche ist - im Gegensatz zu vielen Kirchen des linksrheinischen Gebietes - Jahrhunderte hindurch vor größeren Schäden gnädig bewahrt worden.
Der Besucher versäume nicht, beim Verlassen des Gotteshauses sich dessen äußere Gestaltung anzusehen:
- den wuchtigen Turm mit zierlichem, durchbrochenem Turmhelm oberhalb des Oktogons
- das schlichte Langhaus mit mächtigem Schieferdach, das kontrapunktisch zum
 
Westturm nur einen kleinen Dachreiter trägt
- das reiche Maßwerk an den Fenstern des Chors

Das am Turm deutlich werdende Miteinander von vertikalen (Portal, Fensternischen, Fialen) und horizontalen Linien (die Galerien) weist auf den Übergang von der Gotik zur Renaissance hin. Mit Recht hat ein Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts (H.W. Riehl) die Schlosskirche "eine wahre Perle der späten Gotik" genannt, die in der Stringenz ihrer spatgotischen Architektur ein Pendant im Freiburger Dom findet.

Gang durch die Schlosskirche

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