Kanu - Paddel - Tour auf dem Glan

Das "Wandern" auf dem Glan stellt ein Naturerlebnis der besonderen Art dar.
 

Medard - Odenbach - Meisenheim - Rehborn – Odernheim am Glan

Länge: ca. 17 km
Dauer: ca. 4-5 Stunden

Die Perspektive von der Flussmitte eröffnet einen neuen Blick beim Erfahren von Landschafts- und Kulturräumen.  Hier ist nichts herausgeputzt, sondern alle Einblicke sind authentisch, auch die Naturräume erschließen sich in seltener Vielfalt und Ursprünglichkeit.

Deshalb ist es auch unerlässlich, diese sensiblen Bereiche mit entsprechender Rücksicht zu befahren und mit entsprechender Schonung zu Werke zu gehen.

In Medard, einer kleinen Gemeinde mit römischer Vergangenheit, verlassen wir in Ortsmitte die B420 und folgen der Beschilderung zum Sportplatz über den nur von Draisinen genutzten Gleiskörper hinweg an den Glan.

Wir überqueren den Fluss über die Brücke neben der Sprudelfabrik, wo wir unterhalb des Wehres einen Einstieg finden, an dem wir Kanus oder Canadier zu Wasser lassen können.  Wir sortieren uns gleich in die Hauptströmung ein, um den schützenswerten Ufer- und Flachwasserbereichen nicht zu nahe zu kommen. Diese bilden nämlich einzigartige Lebensräume zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Schwimmblattpflanzen, überwachsene Uferzonen und selbst kahle Kiesinseln beheimaten oftmals Brut- und Aufzuchtgebiete zahlreicher Wasservögel. Auch die Laichplätze der Flussfische und die Lebensräume von Flohkrebsen und Insektenlarven werden durch das Befahren von Niedrigwasserzonen zerstört.

Zunächst treiben wir träge durch eine Wiesenlandschaft, machen uns allmählich mit der Paddeltechnik vertraut und genießen die Umgebung, die von unserem Boot aus viel urtümlicher und unberührter erscheint.

Zahllose leichte Kurven und einige kleinere Schwalle verlangen weder hohes technisches Können noch besondere Konzentration. Bevor wir die Gemeinde Odenbach erreichen, durchfahren wir eine rechtwinklige Linkskurve, die wir auf der Seite des Prallhangs - also auf der rechten Seite - befahren, da sich hier der Hauptstrom befindet.
Nachdem von rechts der Odenbach eingemündet ist, können wir vom Boot aus die Ruine des Weiherturms, des ehemaligen Bergfrieds der Wasserburg, erkennen. Nach Unterquerung der Straßenbrücke passieren wir den Pegel Odenbach, an dem dicke Drahtseile über den Fluss gespannt sind. Im nun folgenden Abschnitt ist das Flusstal tief zwischen den Bergrücken eingeschnitten, so dass sich die Fließgeschwindigkeit erhöht.

Je mehr wir uns nun der Stadt Meisenheim nähern, desto interessanter wird die Fahrt. Die Uferpflanzen wuchern immer dichter und beinahe dschungelartig, und die Farbe Grün herrscht uneingeschränkt. Die Bäume ragen ihre schützenden Kronen bis zur Flussmitte, so dass ein regelrechter Tunneleffekt entsteht. Die Wasser gleiten infolge einer Aufstauung immer träger dahin und erreichen mitunter mehrere Meter Tiefe.

Nachdem wir zwei Brücken unterquert haben und einige Kurven um jede Menge Treibholz gemacht haben, erhebt sich linker Hand am Rande der Altstadt von Meisenheim die spätgotische Schlosskirche. Wir lassen uns gemächlich unter dem "Eisernen Steg" hindurchtreiben und richten unseren Blick nach links zur Stadtmauer, die Geheimnisvolles zu verbergen scheint. Von Wasservögeln umgeben gehen wir ca. 20 m oberhalb des Wehres neugierig an Land, bugsieren unsere Boote an der Wehranlage vorbei, um sie anschließend unterhalb des Wehres zu deponieren.

Nach 8 km Flussfahrt tut es gut, sich zu erheben und die Beine zu vertreten. Dazu lädt die weitgehend erhaltene historische Altstadt Meisenheims mit ihren Fachwerkhäusern, den Adelshöfen, der Stadtmauer und ihren romantischen Gässchen und Plätzen, die ein beinahe mittelalterlich anmutendes Ambiente vermitteln, ein. Bevor wir uns wieder ins nasse Element begeben, empfehlen wir eine Rast zu machen und in einem der zahlreichen Gastronomiebetriebe einzukehren oder die Einkaufsmöglichkeiten zu nutzen.

Hinter Meisenheim erstrecken sich wiederum idyllische Flusspartien. Nach jeder Biegung entsteht ein ständig wechselndes Naturbild: beruhigendes Grün in zahllosen Schattierungen. Der Wasserstand wird hier bisweilen etwas niedriger und in trockenen Sommermonaten können Passagen entstehen, durch die die Boote geschoben werden müssen. 200 m nachdem wir uns eine der römischen Bauweise nachempfundene, dreibogige Steinbrücke unterquert haben, passieren wir am linken Ufer eine Staustufe, an der der Mühlkanal zur noch bestehenden Mühle in Rehborn abzweigt. Hinter der Gemeinde Rehborn durchfahren wir eine auf hölzernen Fundamenten ruhende Brücke. Nun beginnt der Glan immer stärkere Mäanderbögen auszubilden. Nach einer sanft geschwungenen Rechtskurve erreichen wir Odernheim am Glan. Nach Unterquerung einer Straßenbrücke in zentraler Ortslage verlassen wir den Fluss am linken Ufer bei der Bannmühle, ehe uns erneut eine Staustufe aufhält.

Wir beenden nun unsere Tour am Fuße des Disibodenberges, auf dem sich die Klosterruine befindet, die dereinst der heiligen Hildegard von Bingen als Heimstadt diente. Die Tour kann sowohl individuell als auch von einem Veranstalter in Meisenheim organisiert und durchgeführt werden.

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